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Geschichte der Fischerei

Strandboot "Erika" - ein charakteristisches Fischerboot von der Insel Rügen
Strandboot "Erika" - ein charakteristisches Fischerboot von der Insel Rügen (Foto: J.-M. Schlorke)

Seit Jahrtausenden – schon seit der Steinzeit – fischt der Mensch im Meer. Anfangs natürlich nur an der Küste. Dazu verwendete er so einfache Fanggeräte, wie sie die Vitrine zur Fischerei der Urgesellschaft zeigt: Harpunen, Angelhaken, Reusenkörbe ... Die ersten Fischerboote waren sicher ähnlich beschaffen wie der hier ausgestellte Einbaum.

 
Die Fischerei in der Antike findet ebenso ihre Darstellung wie die Verhältnisse bei der Fischerei im Mittelalter, zur Hansezeit. Damals entwickelte sich, besonders an den Küsten Rügens, eine bedeutende Heringsfischerei. Norddeutsche Städte errichten dort Fang- und Handelsplätze, so genannte Vitten. Ortsnamen, wie Vitt bei Arkona oder Vitte auf Hiddensee, stammen aus dieser Zeit. Später verlagerte sich der Schwerpunkt der Heringsfischerei nach Südschweden. Das Modell einer Heringsboise vermittelt die bauchige Form der damals gebräuchlichen, über 20 Meter langen Schiffe, von denen immerhin über 1 000 Meter lange Treibnetze ausgebracht wurden.

 
Weitere Vitrinen zeigen Fanggeräte, Fischereizubehör und Fischereidokumente
aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Immer wieder wird deutlich, wie ärmlich das Leben hiesiger Fischer oft war. Die Modelle traditioneller Bootstypen (die Originale dazu befinden sich in der Außenstelle NAUTINEUM Dänholm) von der pommerschen und mecklenburgischen Küste dokumentieren eine lange Fischereitradition in dieser Region. Als Original ist das aus Breege von der Insel Rügen stammende Strandboot „Erika“ BREG 13 unter Segeln aufgestellt. Solche Arbeitsboote dienten der Fischerei vor der Außenküste. Man konnte sie auf den Strand ziehen. Die Bootsmotoren erinnern an die beginnende Motorisierung der Fahrzeuge der Küstenfischerei am Beginn des 20. Jahrhunderts.

 

Die Zeesenfischerei ist eien charakteristisch traditionelle Fangmethode der vorpommerschen Küstenfischer
Die Zeesenfischerei ist eien charakteristisch traditionelle Fangmethode der vorpommerschen Küstenfischer (Foto: J.-M. Schlorke)

Neben der herkömmlichen Küstenfischerei entwickelte sich im ausgehenden 19. Jahrhundert sehr rasch die Hochseefischerei. Das Modell des Fischdampfers „Steinbutt“ symbolisiert diese neue Etappe in der Fischerei, die mit einer stürmischen Entwicklung der fischverarbeitenden Industrie einherging.

 

Die folgenden Vitrinen sind den traditionellen Methoden der Küstenfischerei an der vorpommerschen Ostseeküste gewidmet, nach denen auch heute noch teilweise gearbeitet wird. Die Exponate dazu stammen hauptsächlich von den Inseln Rügen und Usedom sowie von Fischland und Darß. Bereits die beiden Vitrinen rechts und links der Treppen, am Aufgang zu dieser Ausstellung, bieten Zeitzeugen aus der vorpommerschen Küstenfischerei vor 1945.

 

Noch heute besitzt die Reusenfischerei große Bedeutung. Das Funktionsmodell einer Außenstrandreuse veranschaulicht, wie die 32 33 Heringe im Stellnetz.
Die Zeesenfischerei ist eine charakteristische traditionelle Fangmethode der vorpommerschen Küstenfischer. Eisfischerei wird auch heute noch auf den in kalten Wintern vereisten Bodden betrieben. Modell einer Kammerreuse (Kummreuse), die auch heute noch im Einsatz ist. Fische in die Reusenkammer („Kumm“) geleitet werden. Solche „Kummreusen“ kann man während der Heringssaison im Frühjahr an vielen Stellen der vorpommerschen Küste sehen. Der Einsatz so großer Fanggeräte, wie der Kummreuse, erforderten die Kraft und das Kapital mehrerer Fischer. Daher haben die Fischereigenossenschaften („Kommünen“) in Vorpommern eine jahrhundertelange Tradition. Vielfach besserten die Fischer ihren Lebensunterhalt durch bescheidene Landwirtschaft auf – das verdeutlicht das Modell eines Fischer-Bauern-Gehöftes links daneben.

 
Strandwadenfischerei und Zeesenfischerei gehören schon der Geschichte an. Doch den formschönen, segeltüchtigen Arbeitsbooten der Zeesenfischer – den Zeesenbooten (Modell) – begegnet man auch heute noch. Sie werden als braun besegelte Sportboote gefahren. Stralsund war ein Zentrum der Zeesenfischerei. Das Zeesboot STR 9 des Deutschen Meeresmuseums (zwei Modelle dieses Bootes stehen in einer Vitrine im hinteren Teil dieser Ausstellung) ist die originalgetreue Rekonstruktion eines Bootes aus dem
Jahre 1870 und wichtigstes Exponat in der Bootshalle in der Außenstelle
NAUTINEUM Dänholm.

 

Stellnetzfischerei und Angelfischerei mit der Langleine werdenauch heute noch betrieben. Die Fanggeräte waren früher aus Baumwollegearbeitet. Das hier gezeigte Stellnetz mit den gefangenen Heringen ist aber aus Kunstfasern gefertigt, welche die Baumwolle längst verdrängt haben. Bei der Eisfischerei kannte man recht verschiedene Fangnetzmethoden und -geräte. Geblieben sind davonStellnetz- und Klapperfischerei.