Tropisches Aquarium
Über Jahre hinweg gewachsene Weich- und Steinkorallen können in verschiedenen Becken des MEERESMUSEUMs bewundert werden. Die Steinkorallen bilden ein Kalkskelett, welches nur wenige Zentimeter pro Jahr wächst. Jedes dieser Blumentiere besteht aus einem oder mehreren Polypen, die sich von Symbiosealgen in ihrem Gewebe ernähren. Mit Hilfe von Sonnenlicht und Kohlendioxid stellen diese Algen ein Photosyntheseprodukt her und geben es an die Koralle ab.
In den Aquarien leben auch bizarre Rotfeuerfische sowie Steinfische. Beide erzeugen in Drüsen starke Gifte. Die quer gestreiften Rotfeuerfische besitzen sehr große, häutige Brustflossen, die sie zur Beutejagd benutzen. Die langen, giftigen Stachelstrahlen auf dem Rücken werden nur bei ernsthaften Bedrohungen eingesetzt. In einer solchen Situation sind die Stacheln auf den Gegner gerichtet und pendeln heftig von einer zur anderen Seite. Weicht der Eindringling nicht zurück oder gibt es für den Verteidiger keine Ausweichmöglichkeit, werden schnelle, kraftvolle Vorstöße unternommen. Dringen dabei ein oder mehrere Stacheln in den Körper des Gegners, wird das Gift injiziert. Verletzungen bei Menschen müssen schnellstens ärztlich behandelt werden. Das Gift bleibt auch bei toten Tieren noch wirksam.
Der Steinfisch ist der giftigste Fisch der Meere. Seine kurzen Rückenstacheln sind meist angelegt. Diese am Boden lebenden Tiere bewegen sich kaum, sind ausgezeichnet getarnt und von ihrer Umgebung kaum zu unterscheiden. Daher können Taucher oder Badende auf sie treten oder sich auf sie setzen. Die dabei erlittenen Verletzungen führen nicht selten zum Tode. Das Gift verursacht
schnell ein Versagen der Herzmuskulatur und es kann zu völliger Atmungslähmung führen.
Den Symbiosen ist ebenso ein Schaubecken gewidmet. Man versteht darunter das Zusammenleben von Individuen unterschiedlicher Arten zu beiderseitigem Vorteil. Ein schönes Beispiel dafür ist die enge Gemeinschaft zwischen den Anemonenfischen und den großen Riffanemonen, also stark nesselnden Blumentieren. Fische oder Menschen werden bei Berührung der Anemonen genesselt. Nicht so die Anemonenfische. Man kann beobachten, wie sie in dem giftigen Tentakelwald förmlich „baden“ oder bei Gefahr zwischen die Tentakel flüchten. Auch Eiablage und Brutpflege erfolgen dicht an der Fußscheibe der Anemonen. Die Fische leben also im Schutz der Nesseltiere. Kommen andere Arten, worunter auch Tentakelfresser sein können, in die Nähe solcher Gemeinschaften, werden sie sofort angegriffen und verjagt. So sind auch die Anemonen vor Feinden durch ihre Symbiosepartner geschützt.
Die kleinen, blauschwarz gestreiften Putzerfische sind fast überall im Riff anzutreffen. Sie sind ortstreu und warten darauf, dass vorbeiziehende Fische ihre Dienste in Anspruch nehmen wollen. Werden diese von Hautparasiten geplagt, zeigen sie durch eine meist senkrechte Körperhaltung den Putzerfischen an, dass Hautpflege erwünscht ist. So werden die „Kunden“ lästige Hautparasiten los und die Putzer kommen günstig an ihre Nahrung. Selbst vor den großen Mäulern der Rotfeuerfische, Zackenbarsche oder Muränen schrecken Putzerfische nicht zurück. Öffnen die Großen ihr Maul, ist das eine Aufforderung für die Putzer zur Zahnpflege. Mit etwas Geduld kann das Putzverhalten auch hier im Aquarium beobachtet werden.
Zu den besonders interessanten Tierarten in unseren Aquarien gehören auch die Seepferdchen. Neben der bizarren Gestalt, gekennzeichnet durch ein röhrenförmiges Maul und den langen, aus Knochenplatten bestehenden Körper, besitzen sie ein außergewöhnliches Fortpflanzungsverhalten. Die Weibchen legen die Eier in die am Bauch des Männchens befindliche Bruttasche, die Männchen übernehmen die gesamte Brutfürsorge und bringen dann die Jungtiere zur Welt. Einige der hier gezeigten Seepferdchen sind schon bei uns geboren und aufgewachsen.
Fast immer gibt es in unseren Schaubecken Kopffüßer, auch Tintenfische genannt, zu beobachten. Sie gehören zum Tierstamm der Weichtiere. Am meisten begeistert die Besucher der Gemeine Krake. Von Natur aus dämmerungsaktive Höhlenbewohner, gewöhnen sie sich daran, auch am Tage das Aquarium zu durchstreifen. Werden diese Tiere erschreckt oder droht ihnen Gefahr, stoßen sie ein dunkles, tintenartiges Sekret aus, das in einer Drüse erzeugt wird.
Fressfeinde in freier Natur werden durch diese plötzliche Wolke erschreckt und verwirrt. Oft reicht diese kurze Zeit aus, um hinter dem dunklen Schleier dem Gegner zu entkommen. Kraken verfügen über erstaunliche Sinnesleistungen. Ihre hoch entwickelten Augen sind zum Farb- und Scharfsehen befähigt. Sie können ihre Körperfarbe und Hautstruktur in Sekundenschnelle ändern und damit auf die Umgebung reagieren, einen bestimmten Erregungszustand anzeigen oder Signale an den Partner weiterleiten. Kraken sind lernfähig und daher dressierbar. Im Meer können sie eine Spannweite bis etwa drei Meter und ein Gewicht von 25 Kilogramm erreichen. Exemplare dieser Größe sind heute durch den massenhaften Fang zum Verzehr sehr selten geworden.
Wie Kraken, so gehören auch Nautilus oder Perlboote zu den Kopffüßern. Man kann sie mit Recht zu den lebenden Fossilien zählen, da Perlboote, in ihrem Körperbau nahezu unverändert, seit dem Erdmittelalter unsere Meere bevölkern. Sie leben in Wassertiefen zwischen 400 und 700 Metern und sind nachtaktiv. Auch Sepien, die hin und wieder im Aquarium gehalten werden, sind den Tintenfischen zuzuordnen.





