Architektur
Klostermodell nun hinter Klostermauern zu sehen
Nachdem bereits im Oktober 2006 von der ABM Modellbau aus Stralsund der ca. 4 m² große Modellkomplex des Katharinenklosters an das Deutsche Meeresmuseum übergeben worden war, ist das handwerkliche Filigrankunstwerk nun in die Katharinenhalle umgezogen.
Das Modell hatte im FORUM Meeresmuseum seinen vorübergehenden Platz gefunden. Ab sofort ist das Klostermodell nun für jedermann im Erdgeschoss des Meeresmuseums zu sehen in einer eigens dafür konzipierten Vitrine. Ergänzt werden in Kürze weiterführende Informationen und so genannte originale Formsteine – besonders geformte Ziegelsteine, die typisch für die Backsteingotik sind.
Besonders Museumsdirektor Dr. Harald Benke freut sich, dass zu Beginn der Hauptsaison ein neues attraktives Ausstellungsstück präsentiert werden kann und einen würdigen Platz im Meeresmuseum gefunden hat. Nun können sich die Museumsbesucher einen Überblick über die Klosteranlage en miniature verschaffen, die neben dem Meeresmuseum auch das Kulturhistorische Museum beherbergt – getreu dem Motto "Ein Kloster – zwei Museen".
Ältestes erhaltenes Hallenkirchendach Deutschlands in Stralsund
Kleine baugeschichtliche Sensation im MEERESMUSEUM
So eine gewisse Vorahnung muss man im Deutschen Meeresmuseum schon gehabt haben, als die dendrochronologische Altersbestimmung der hölzernen Dachkonstruktion der Katharinenhalle in Auftrag gegeben wurde. Das Ergebnis hat dann aber alle Beteiligten überrascht, zeichnet sich doch eine kleine baugeschichtliche Sensation ab: das so genannte Hallensteildach der Katharinenhalle im ehemaligen Dominikanerkloster St. Katharinen in Stralsund ist die wohl älteste monumentale Hallendachkonstruktion in Deutschland. Dies geht aus dem Gutachten des Schweriner Archäologen und Bauforschers Dr. Tilo Schöfbeck hervor.
Bei der Dendrochronologie handelt es sich um eine Datierungsmethode zur Altersbestimmung von Holzbauwerken durch den Vergleich der Jahrringmuster von Bäumen bzw. der daraus gefertigten Balken. Demnach befindet sich in Stralsund das älteste freitragende Holzbauwerk dieser Art, es überspannt insgesamt drei Kirchenschiffe und 21 Meter Breite und ist damit eine der größten Meisterleistungen hochmittelalterlicher Zimmermannskunst. Nach den neuesten Erkenntnissen wäre die Dachkonstruktion über den östlichen Jochen der Katharinenhalle 1292 fertig gestellt worden und somit Vorbild für die späteren Großdächer dieser Bauweise gewesen, wie beispielsweise der einige Jahrzehnte jüngeren Hallendächer von St. Marien in Anklam oder St. Petri in Altentreptow aus dem 14. Jahrhundert, so Schöfbeck. Durch die überraschend gute Substanzerhaltung ließen sich auch noch die Fertigstellung des schmaleren Chores auf 1282 und die des westlichen Langhauses auf 1308 präzise bestimmen.
Derzeit ist das Deutsche Meeresmuseum mit den Denkmalpflegern im Gespräch, um die weitere Vorgehensweise im Umgang mit dieser bedeutenden Holzkonstruktion abzustimmen. Übrigens, das MEERESMUSEUM befindet sich außerdem unter dem größten Ziegeldach Stralsunds.
Weitere Auskünfte:
Dr. Tilo Schöfbeck, Tel. 0385 - 593 20 70, E-Mail: dendro(at)bauforscher.de
Baugeschichte Katharinenkloster (Kurzform)
1251 | Stiftung eines Grundstückes und Bereitstellung von Mitteln zum Bau des Dominikanerklosters St. Katharinen durch Fürst Jaromar II von Rügen (5) S. 11 |
1282 | Fertigstellung des Chores, Baubeginn Ende der 1270er Jahre (8) |
1287 | Weihe des Chores (2) |
1292 | Fertigstellung des Daches über den 3 östlichen Jochen des Langhauses, - damit älteste heute erhaltene monumentale Hallensteildachkonstruktion in Deutschland (8) |
1308 | Fertigstellung des Restes des Langhauses - Vollendung des Rohbaus (8) |
1340/50 | Vollendung der Klosteranlage mit einem Innenhof (1. Innenhof) (5) S. 74 |
bis 1410 | Erweiterung der Klosteranlage auf zwei Innenhöfe nach Westen (2. Innenhof) (5) S. 84 |
Mitte 15.Jh. | Erweiterung und Einwölbung des Remters (5) S. 112 |
Um 1500 | letzte Einwölbungsarbeiten im Südwestbereich (Netzgewölbe) (5) S. 121 |
1525 | Reformation, Flucht der katholischen Mönche und Priester, Kloster in Stadtbesitz (5) S. 15ff |
1525 – 59 | Brigittiner-Nonnen bewohnen das Kloster (5) S. 15 ff |
1559 | Schule und Waisenhaus (5) S.22, (3) S. 397 |
1670 | Ein städtisches Zeughaus wird in der Klosterkirche eingerichtet: |
ab 1902 | Klosterkirche wieder städtischer Besitz |
um 1736 | Umbaumaßnahmen am Chor (Bauforschung) |
1852 | Umgestaltung des barocken Schulportals in ein neugotisches (1) |
1868 | Neugotische Veränderungen, besonders Westflügel, erneute Umgestaltung des Schulportals, Treppenanbau an den Remter (2), (1) |
1913 | Anbau der Turnhalle an den nordwestlichen Teil der Kirche (1) |
1919 | Gewölbeeinsturz im Remter (2. Mitteljoch v. Westen), daraufhin Räumung des Waisenhauses, (5) S. 163 |
1919 – 24 | Durchgreifender Umbau mit Freilegungen mittelalterlichen Bestandes (5) S. 163 ff |
1924 | Einzug des Provinzialmuseum für Neuvorpommern und Rügen (6) |
1928 | Umdeckung des Daches der Katharinenhalle |
bis 1936 | Ausbau für museale Zwecke (6) |
1938 | Pläne des Marineamtes zum Ausbau der Katharinenhalle für kirchliche Nutzung (nicht ausgeführt), (1) |
1946 | Wiedereröffnung und Neueinrichtung (6) |
1951 | Einzug des Naturkundemuseums (3) |
1955/56 | Restaurierung des Remters (5) |
1957 | Restaurierung des Kreuzganges (1. Innenhof) (5) |
1960 | Abbruch der Mauer um den Katharinenhof und des Zeughofportals (1) |
1970 | Veränderung des Einganges zum Kulturhistorischen Museum (4) |
1972 | Neubau der Treppe im Remter (4) |
1972 | Umbau Choranbau Katharinenhalle (4) |
1972 – 74 | Umbau Meeresmuseum (4) |
1980 | Einrichtung eines Depots für biologisches Sammlungsgut im Dachgeschoß der Katharinenhalle (Stahlverstärkung, Gaube für Aufzug) (4) |
1981 | Sanierung Torbogen Katharinenberg (4) |
ab 1985 | Schrittweise Reparatur der Außenfassaden der Katharinenhalle (Bauakte) |
1991 | Sanierung Mönchstraße 25 (Bauakte) |
1991/92 | Sanierung der Chorfassade (Bauakte) |
1992/93 | Sanierung der Fassade des Westgiebels der Katharinenhalle (Bauakte) |
1997 | Reparatur der Südfassade und des Ostgiebels sowie Neueindeckung der Südseite des Daches und des Chores der Katharinenhalle (Bauakte) |
1998 | Neueindeckung der Nordseite des Daches und Reparatur der Nordfassade der Katharinenhalle (Bauakte) |
1999 – 2002 | Innenrestaurierung der Katharinenhalle (Bauakte) |
2001 – 03 | Neubau Seewasserbecken für Meeresschildkröten (Bauakte) |
2002 – 03 | Umbau und Sanierung Dachgeschoss Katharinenberg 14 (Bauakte) |
(Literaturangaben in Klammern, vgl. Quellenangaben) |
Literatur- und Quellenangaben:
(1) | Stadtarchiv Stralsund |
(2) | v. Haselberg, E.: Die Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Stralsund; Heft V, L. Saunier, Stettin 1902 |
(3) | Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler - Die Bezirke Neubrandenburg, Rostock, Schwerin; 2. Aufl., Akademie-Verlag 1980 |
(4) | Bauordnungsamt Stralsund, Bauakten |
(5) | KURZ, Dora (1959): Das Katharinenkloster zu Stralsund und seine Gewölbemalereien; Inaugural-Dissertation, Greifswald. |
(6) | ADLER, Fritz (1945): Entstehen und Aufbau des Stralsundischen Heimatmuseums; Erstdruck 1984, Heimatkreis Stralsund. |
(7) | EWE, Herbert u.a.: Die Altstadt von Stralsund, Untersuchungen zum Baubestand und zur städtebaulichen Denkmalpflege; Verlag Technik, Berlin 1958 |
(8) | SCHÖFBECK, Dr. Thilo (2009).: Kurze bauhistorische Erläuterung zur dendrochronologischen Untersuchung St. Katharinenkirche Stralsund, Dachwerk |





