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Deutsches Meeresmuseum erwirbt Scrimshaw-Sammlung

25.02.10
Einige besonders wertvolle Stücke der Scrimshaw-Sammlung des Deutschen Meeresmuseums.

Einige besonders wertvolle Stücke der Scrimshaw-Sammlung des Deutschen Meeresmuseums. (Foto: Deutsches Meeresmuseum)

"Das ist schon ein großer Coup, den das Deutsche Meeresmuseum da gelandet hat.", ist sich Klaus Barthelmess sicher. Der Kölner Walhistoriker arbeitet derzeit wissenschaftlich an der neuen umfangreichen Scrimshaw-Sammlung, die das Museum bereits Ende 2009 erworben hatte. Alle Stücke stammen aus etwa zwei Jahrzehnten Sammelleidenschaft von dem 2001 verstorbenen Biologen Wilhelm Vogel, die kürzlich von seiner Tochter veräußert wurden.  

 

 

Nun wurden die 125 Exponate der Öffentlichkeit vorgestellt - im Beisein des Kölner Experten, der auf seinem Gebiet in Europa eine Koryphäe ist. Trotz schier unerschöpflichem Fachwissen, fällt auch Klaus Barthelmess die Definition des Begriffes Scrimshaw nicht leicht, den er sachlich als "maritime Volkskunst auf Hartgewebe von Walen und Robben" umschreibt. Gemeint sind vor allem Walzähne und -knochen sowie Walross- und Sägefischzähne, die - grafisch verziert oder als Plastik - Motive des Walfangs und der Fauna der Arktis aufgreifen. Eher selten sind  hingegen erotische oder gar pornografische Darstellungen.

 

 

Die Ursprünge der Scrimshaws liegen vermutlich in den 1820er Jahren als "weiße" amerikanische Volkskunst, d. h. sie sind nicht indianischen Ursprungs, wie fälschlicherweise vermutet wurde. Oftmals wurden Scrimshaws auch als "marines Elfenbein" bezeichnet - aufgrund der ähnlichen Beschaffenheit und Verwechslungsgefahr mit Elefantenzähnen. In den 1950er Jahren erschienen erste kulturwissenschaftliche Publikationen zum Thema; parallel entwickelte sich eine ernsthafte Sammlerszene. Prominenter Sammler war beispielsweise John F. Kennedy. Was zuvor quasi als "Beifang" über Bord geworfen worden war, wurde zunehmend als Wertobjekte gehandelt, für die in Einzelfällen Spitzenpreise von bis zu 315 000 Dollar erzielt wurden.

 

 

Zu den wertvollen Einzelstücken der Stralsunder Sammlung gehören kuriose Dinge wie eine Art Wäscheklammer, eine Punschkelle und Harpunenspitzen. Bemerkenswert ist auch ein so genannter spoon busk, der im 19. Jahrhundert Korsetts stabilisierte. Ebenso faszinieren Spielbrettchen für das englische Kartenspiel Cribbage sowie Flanierstöcke aus Walknochen. Außergewöhnlich ist außerdem ein kleines Fässchen, bestehend aus Walknochen und Barten, dass jedoch nur dekorative Zwecke erfüllt. Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen.

 

 

Die Sammlung enthält auch Stücke, die nicht aus dem 19. Jahrhundert stammen, sondern eher dem 20. Jahrhundert zuzuordnen sind - teilweise Souvenirs aus dem asiatischen Raum. Aber gerade das mache den Reiz der Stralsunder Referenzsammlung aus, meint Fachmann Barthelmess, denn daraus ergeben sich wertvolle Forschungsmöglichkeiten sowohl für Kultur- als auch Naturwissenschaftler. So sei die Sammlung des Deutschen Meeresmuseums in Bezug auf Umfang und Art in Deutschland bisher einzigartig - bis auf seine eigene, wie Klaus Barthelmess verschmitzt hinzu fügt. Und auch das mache den Wert einer Sammlung aus, dass man - wie hier in diesem Falle - ziemlich genau Herkunft und Material der Exponate nachvollziehen kann. 

 

 

Museumsdirektor Dr. Harald Benke ist sichtlich stolz auf die neue Scrimshaw-Sammlung, die für einen fünfstelligen Eurobetrag erworben wurde. In Zukunft ist geplant, zumindest einen Teil der Exponate  im MEERESMUSEUM Stralsund in der Ausstellung "Mensch und Meer" zu präsentieren.